Mittwoch, 8. November 2017

Baublog

Müde der Tag und Nacht dröhnenden Lastwagen, die einem anscheinend über das Kopfkissen zu rollen scheinen, habe ich den Entschluss gefasst, mir ein neues Heim fernab der Hauptstrasse zu bauen. Da sich unsere Finca von der Strasse bis zum Fluss erstreckt, haben wir eine Geländeterrasse ungefähr in der Mitte des Grundstücks ausgewählt.
Am Computer habe ich anschliessend den Bau mit einem CAD Programm geplant und gezeichnet.

Spatenstich

Ich wollte ein Haus, dass einfach, übersichtlich und doch genügend Platz für uns Zwei und allfällige Gäste bietet. Auch wollte ich endlich einen Platz für Werkzeuge und Maschinen und den üblichen Krimskrams auf einem Bauernhof haben. Darum entstand ein Haupthaus mit einem grosszügigen Wohnraum mit Wohnküche, 2 Schlafzimmern mit Privatbad und einem kleinen WC zum Wohnraum. Aus den Fehlern gelernt, die im alten Haus gemacht wurden, habe ich den Hauptwohnraum hoch und luftig entworfen, mit einer 2teiligen Schiebetürenfront, die sich über insgesamt 10m öffnen lässt, so dass auch über die heisse Mittagszeit genügend Ventilation herrscht. Über den Schlafzimmern habe ich eine Decke eingezogen, einerseits, um ein ausgeglicheneres Raumklima zu erhalten, anderseits damit Geckos und anderes Viehzeug nachts einem nicht auf den Kopf sch******. Den Raum darüber dient uns als Wäschetrockenraum/ Estrich und für die Solartechnik.
Daneben steht ein kleineres Nebengebäude das als Garage/Werkstatt dient und mit dem Dach mit dem Haupthaus verbunden ist, so dass ein luftiger, regengeschützter Patio dazwischen entsteht. Soweit die Planung.

Fundamente

Damit man mit einem Bau beginnen kann, braucht es auf der Baustelle Wasser und Strom. Also lassen wir von ein paar Arbeitern einen etwa 200m langen Graben vom Stall bis zur künftigen Baustelle ausheben und ich verlege eine Wasserleitung und eine Stromleitung aus Polipropylenrohren. Auch muss ein Bächlein unterfahren werden, das bei einem Gewittersturm zu einem reissenden Fluss anschwellen kann, also mit vielen schweren Steinen eindecken. Auch müssen Weidezäune versetzt werden um Durchgang für die künftige Zufahrt zu schaffen.

Erste Mauern

Im Februar 2016 ist es dann endlich soweit, der Bagger fährt auf und macht die Zufahrtstrasse und die Bauplanie. Mehrere Lastwagen mit Kies braucht der Strassenbelag und der Wendeplatz. Da hier in Kolumbien noch fast alles von Hand gemacht wird, braucht es neben Zementsäcken auch Sand und Kies für die Betonmischung, ein feinerer Sand zum Mauern und Verputzen, Armierungsstahl für den Pfosten/Riegelbau und Backsteine für die Wände.

Haupthaus und Garage

Ich habe einen Maurer kontraktiert, der mir mit einem Gehilfen den Rohbau erstellen wird. Leitungen und Haustechnik, wie Wasser/Abwasser und Strom verlege ich selber.
Die Maurer heben die Gräben für die Streifenfundamente aus, während ich diese für Wasser/Abwasser und Strom aushebe. Anschliessend füllen sie diese mit armiertem Beton um die Basis für den Mauerbau zu erhalten. Ich meinerseits klebe und verlege die PVC-Rohre in meinen Gräben und verfülle sie anschliessend wieder mit Aushub. Der Mauerbau mit Backsteinblöcken geht zügig vonstatten und anschliessend werden im Abstand von etwa 4m und in den Ecken Stahlbetonsäulen gegossen. So nimmt die Konstruktion rasch Gestalt an um in 2,5m Höhe ringsum laufend einen weiteren Stahlbetonkranz auf die Mauern zu setzen.

Deckeneinbau

Über den Schlafzimmern erstellen wir eine Hurdisdecke mit speziellen Backsteinblöcken und Stahlträgern. Bevor darüber ein weiterer Betonüberzug gegossen wird, muss ich alle Installationsrohre verlegen. Die Maurer mauern sich weiter in die Höhe, während ich in den Bädern und Schlafzimmern die Rohbauinstallationen verlege. 

Dachstock

Alsbald können wir den Dachstock aufrichten, was mit dem Tropenholz Sapan eine kräftezehrende Angelegenheit ist. Alsbald werden die Eternit Dachplatten verschraubt und das Haus ist im Rohbau fertig.

Dachdecken

Nach der Rückkehr von unserem Familienbesuch in der Schweiz machen die Maurer verputz-arbeiten und ich stelle die Rohbauinstallationen fertig. Alsbald müssen noch die Betonböden gegossen werden und wir können mit dem Innenausbau beginnen.

Garage

Als Erstes werden die Aluschiebefenster eingebaut, dann die Schiebetürenfront, dann die Fenstergitter angebracht, Stahltüren und Tor montiert und die Metalltreppe gesetzt. Damit auch alles mehr oder weniger passt, muss ich das Geschehen immer überwachen.

Rohbau fertig

Nun kann ich mit dem Plattenlegen beginnen. Wir haben relativ grosse Keramikplatten ausgewählt, 40 x 90cm, eine Grösse, die ich noch nie vorher verlegt habe und war darum etwas verunsichert. Doch schon bald konnte ich den Dreh und das Ganze ging recht zügig vonstatten. 100m2 Bodenplatten und etwa 60m2 Wandplatten kleben und verfugen und anschliessend die Waschbecken, WC, Armaturen etc. installieren.

Einbau Schiebetüren
Treppenbau
Erste Fliessen

Nun kommt der Schreiner mit den Innentüren, der Küche und den Treppentritten. Mir bleiben die Malerarbeiten innen und aussen, einige Umgebungsarbeiten und die Solaranlagen.

Küchensockel
Küche

Die Warmwasseranlage ist relativ rasch hergestellt, da alles Eigenbau, etwas schwieriger ist die Fotovoltaik. In Kolumbien ist die Solartechnik noch nicht sehr verbreitet, darum ist es recht schwierig, hochwertige Komponenten zu bekommen. Nach längerer Suche bin ich aber trotzdem fündig geworden, habe nun Wechselrichter und Laderegler von Studer Innotec.

Gesamtansicht

Wohnraum

Solartechnik

Soweit die Chronologie des Bauablaufes, was aber nicht heisst, dass das alles so Reibungslos ablief.
Was schon in der Schweiz eine Herausforderung ist, alle Handwerker zur geplante Zeit auf der Baustelle zu haben und die Arbeiten wie gefordert ausgeführt werden, ist hier in Kolumbien noch einmal viel komplizierter.
Wochenlanges warten auf den Bagger, Baumeister die vor beenden der kontraktierten Arbeiten das Weite suchen, notabene mit dem schon bezahlten Vorschuss, und viel Pfusch, den die betroffenen Arbeiter nur unter extremem Druck ausbügeln oder an einem selber hängen bleibt.

Keramikfundstücke

Aber was soll‘s, schlussendlich ist der Bau mehr oder weniger so herausgekommen, wie es geplant war, und das ist schon viel.

Donnerstag, 2. März 2017

Kolumbiens Karibikküste


Endlich haben wir uns mal wieder die Zeit genommen, um eine Ferienreise innerhalb Kolumbiens zu unternehmen. Genauer eine Reise ans Karibische Meer.
Obwohl an allen Ecken und Enden die Verkehrswege in Kolumbien ausgebaut werden, sind und bleiben die Strassen eine Herausforderung. So auch die Autopista del Sol, die 1000km lange Verkehrsachse Bogota – Küste. Lediglich 10% der Strecke ist Heute in autobahnähnlichem Stil ausgebaut, der grösste Teil bleibt schwerverkehrsverstopfte Landstrasse, was vor allem in den kurvenreichen Anden ein rasches Vorwärtskommen verunmöglicht und immer wieder riskante Überholmanöver provoziert. Darum bleibt das Auto zu Hause und auf geht die Reise im Bus.
Eigentlich braucht es im Tiefland keine warmen Kleider, die Nachttemperatur fällt kaum unter 28°C. Doch aus vorangegangenen Busreisen haben wir gelernt: Je wärmer die Umgebung desto kälter der Bus. Bewaffnet mit langen Hosen, Jacke und Daunenschlafsack besteigen wir das Gefährt, das uns in 16-stündiger Fahrt nach Cartagena bringen wird. Die Busse sind modern, komfortable Liegesitze, WiFi, Filme, aber an Schlaf ist trotzdem kaum zu denken, irgendwie findet man nie eine wirklich angenehme Sitzposition und so sind wir froh, dass es kurz vor Barranquilla endlich Tag wird. Wir fahren über die Brücken der zwei Flussarme des Rio Magdalena, beide je etwa einen halben Kilometer breit. Noch immer fehlen gut 4 Stunden.
Endlich erspähen wir die Skyline der Wolkenkratzer von Cartagena in der Ferne, geschafft. Als Erstes suchen wir etwas zum Frühstücken und da es ja auch schon wieder gegen Mittag geht, bestellen wir gleich ein Mittagessen hier im Busterminal. War eine gute Wahl, war das beste Essen während unseres Aufenthalts in Cartagena.




Cartagena hat sich seit meinen letzten Aufenthalt vor 2 Jahren stark verändert. Der Massentourismus ist nun definitiv hier angekommen. Auf Schritt und Tritt begegnet man Gruppen dicker, kurzbehoster, weisshäutiger Gringos. Das alte Fort wird im Minutentakt von Busladungen gestürmt und in der ehrwürdigen Altstadt gibt es an jeder Ecke Andenkenläden, McDonalds und Burgerkings. In der Lagune ankern die weissen Kreuzfahrtschiffe und an den Stränden von Boca Grande röten sich die Bäuche. Auch die Preise haben internationales Niveau erreicht.
Emilce, die noch nie hier war, ist etwas enttäuscht über all dem Rummel. Wir bleiben trotzdem 2 Tage und geniessen guten Kaffee, Patisserie, Zöpfeflechter und Beinmassagen.
Heute fahren wir mit dem Bus weiter nach Monteria, der Provinzhauptstadt von Cordoba. Zu Beginn der 5-stündigen Fahrt werden wir noch von einer Gruppe Franzosen begleitet, die aber allesamt in Tolu aussteigen und gegen Abend erreichen wir die Stadt. Auf den ersten Blick erscheint einem Monteria geschäftig und modern. Doch ganz anders wenn es Nacht wird. Um 6 - 7 Uhr abends werden alle Geschäfte und die wenigen Restaurants zu gesperrt und einem bleibt nur noch das Bett im Hotel.
Früh morgens sind wir zurück im Busterminal für einen Bus an die Küste. Leider kommen wir ein paar Minuten zu spät, der Bus nach San Bernardo del Viento ist bereits weg und der nächste fährt erst um 10.30 Uhr. Doch es gibt da noch die Chiva, die den Küstenabschnitt von der entgegengesetzten Richtung her erschliesst, allerdings über eine Allwetterpiste. Etwas Abenteuer kann ja nichts Schaden und so besteigen wir dieses Gefährt auf der Basis eines Lastwagenchassis mit Holzbänken. 3 Stunden holpern wir nun die 70km an die Küste hinunter. Ist aber auch Hoch spannend zuzusehen, was die Anwohner alles zu verladen haben. Kochbananen neben lebenden Hühnern und Schweinen, Säcken mit den Rispen der Ölpalme und geknebelte Schafe.
Endstation ist Moñitos, wo wir auf die Teerstrasse von San Bernardo her treffen. Uns gefällt die Gegend auf Anhieb. Ausserhalb der Saison sind wir die einzigen Touristen hier, doch dies vereinfacht die Unterkunftssuche nicht unbedingt. Zwar hat es viele Cabañas von Paisas, (Medellin) doch zur Zeit ist alles verriegelt und niemand ist hier. Nach etwas Suchen werden wir doch fündig und kommen bei einem Künstler unter. Leon vermietet uns sein Gästezimmer mit Bad und Terrasse und wir im Gegenzug laden ihn zum Mittagesssen ein.


Wir haben ein tolles Restaurant gefunden, die Besitzerin ist eine passionierte Köchin und bereitet uns in den kommenden Tagen alles erdenkliche aus frischem Fisch, Hummern und Meeresfrüchten.
 

Leon, unser Gastgeber lebt heute von seinen Schwemmholzobjekten, die er Dank seinen früheren Kontakten als Manager in gutbetuchten Kreisen in Medellin verkaufen kann. Und Schwemmholz hat es in Hülle und Fülle. Moñitos liegt am Eingang zum Golf von Uraba, zwischen Panama und dem kolumbianischen Festland, und in eben diesen Golf mündet der Rio Atrato, der wasserreichste Fluss Kolumbiens, der ein riesiges Urwaldgebiet entlang der Pazifikküste entwässert.
Wir verbringen die Tage wandernd den schier endlos langen Stränden entlang. Emilce behagt die oft raue Brandung nicht speziell, aber Strandgut sammeln umso mehr, und so stapelt sich auf unserer Terrasse bald alles Mögliche. Muschelschalen, Gehäuse riesiger Meeresschnecken, holzige Samen von Urwaldbäumen und eben Schwemmholz in allen Formen und Farben.



Ein paar Kilometer der Küste vorgelagert liegt die Isla Fuerte, eine Koralleninsel mit einem Fischerdorf, der wir Heute einen Besuch abstatten. Die halbstündige Überfahrt erfolgt im offenen Motorboot und Emilce hat dementsprechend Angst. Unbegründet, denn Heute hat es kaum Wellen. Die Insel wartet mit weissen Stränden und türkisfarbenem Meer und gutem Fisch. Am Nachmittag bei auffrischender Brise geht’s zurück auf’s Festland.




Viel zu schnell vergeht die Zeit und wir müssen zurück nach Santander. Es gibt da eine Querverbindung, die Strasse Nr. 80, die die Rückreise um mindestens 200km verkürzen würde, aber wir wissen nicht, ob sie auch von Fernbussen befahren wird. In Lorica fragen wir uns durch, bekommen aber widersprüchliche Antworten. Mit all dem Gepäck mögen wir uns nicht auf ein Experiment einlassen und so finden wir uns wieder auf der Strecke der ganzen Karibikküste entlang. Nach langen 25h Fahrt kommen wir erschöpft nach Hause.

Prolog: Die lange Busreise im Eisschrank hat sein Opfer gefordert. Mich hat die Grippe erwischt, wie seit mindestens 15 Jahren nicht mehr. Trotz allem war der Ausflug super! Wir kommen zurück!

Sonntag, 8. Januar 2017

Jahresrückblick 2016


Wieder ist ein Jahr vergangen und ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich es nicht geschafft habe, auch nur einen Blogbeitrag ins Netz zu stellen.

Das Jahr 2016 begann, wie das 2015 zu Ende ging, mit akutem Personalmangel. Die Weihnachts/Neujahrsferien brachten viel Kundschaft, aber es fehlten Bedienerinnen, Hilfskräfte in der Küche, fürs Hotel, für den Pool und so gab es sehr intensive Wochen für uns. Tagwache um 5.00 Uhr und Feierabend nicht vor 23.00 bis 24.00 Uhr. Um den 20. Januar herum waren die Schulferien zu Ende und es wurde schlagartig wieder ruhiger.
Das Personalproblem war damit nicht behoben, denn die langjährige Köchin war Schwanger und kündigte. Ersatz war nicht zur Stelle und so musste meine Frau den Job übernehmen.

Auch wir bekamen das Wetterphänomen el niño zu spüren. Zwischen Dezember und März regnete es kaum. So wurde auch bei uns das Wasser knapp und wir mussten Wasser aus der Versorgung der Fischteiche in die Tanks pumpen. In anderen Regionen des Landes war die Situation aber viel prekärer, die Bewohner mussten mit Tanklastern beliefert werden und es verendete das Vieh.
 

Der sonst mächtige Rio Suarez
 
Seit Langem spielte ich mit dem Gedanken, ein neues Haus weitab vom Verkehrslärm der Strasse auf unserem Grund zu bauen.
Im Februar kam der Bagger und planierte die Zufahrt und den Baugrund. Der Rohbau ging zügig vonstatten und im Mai war das Haus schon eingedeckt. Die Rohbauarbeiten verzögerten sich dann aber, einerseits weil wir einen Monat in der Schweiz weilten und anderseits, weil der Maurer plötzlich nicht mehr erschien und geeigneter Ersatz schwierig zu bekommen war.
Dieser Neubau sollte mich noch das ganze Jahr über beschäftigen, doch darüber mehr in einem eigenen Blog.

Baggerarbeiten
Rohbau
Eingedeckt

Wie bereits erwähnt, unternahmen wir Mai/Juni eine Reise in die Schweiz. Die meiste Zeit verbrachten wir mit meinen Eltern in Günsberg. Wir machten Ausflüge ins Tropenhaus Frutigen, nach Adelboden auf der Suche nach dem Wohnhaus meiner Ahnen, zur Schwester meines Vaters und meiner Cousins im Raum Thun und zu Freunden meiner Eltern in Dornach. Zum Geburtstag meines Sohnes Lukas lud mein Vater die ganze Gesellschaft ins Restaurant National in Langendorf. Es wurde ein angenehmer Anlass. Nach mehr als 3 Jahren traf ich so meine ehemalige Frau Marlis, ihre Schwester Erika und Margrit, die Mutter wieder.


Geburtstag Lukas
....und es schmeckt!
 
Geeignetes Personal hier auf dem Land zu finden ist ein Riesen Problem. Einerseits leben wir 4 Kilometer ausserhalb des Dorfes und die Leute scheuen den langen Arbeitsweg, weil kaum einer mobil ist. So bleiben die Leute der Nachbarschaft. Dies sind einfache Bauern und die Mädchen haben nie gelernt, wie man einen Boden nass aufzieht oder wie man Putzt, und noch weniger wie man Gäste bedient oder wie man kocht. Nach der Rückkehr im Juni musste Emilce darum weiterhin den Job der Köchin übernehmen.

Im Dezember war die Nachprüfung des Autos fällig und so fuhren wir nach Barbosa, der nächst grösseren Provinzstadt. Es waren einige Revisionen nötig, wie der Austausch der vorderen Stossdämpfer oder ein Teil der Auspuffanlage.
Der Mechaniker teilte uns mit, das alle Arbeiten bis zum nächsten Tag andauern werden. Auf die Finca zurück wollten wir nicht und so entschlossen wir uns spontan den Bus nach Cimitarra zu nehmen. Zuerst führte uns die Strecke auf einen Pass von fast 3000m um anschliessend in einer schier endlosen Abfahrt die Ebene des Rio Magdalena auf 200m zu erreichen. Mit dem Klima ändern sich auch die Gewohnheiten der Bewohner und so feierten die Leute aus Cimitarra an einem ganz gewöhnlichen Montag bis in alle Nacht. Klar bei Tagestemperaturen bis 38°C. Wir jedenfalls waren froh, am nächsten Tag wieder in unser gemässigtes Gebirgsklima zurückkehren zu können.

Dann war auch schon wieder Weihnachten und wir verbrachten einen angenehmen Abend bei Fondue und Picada mit der Familie. Auch kamen Familienangehörige von Emilce aus Bogota um über die Feiertage im Betrieb zu helfen.


Weihnacht
Abschliessend wünsche ich dem Leser viel Freude, Erfolg und Gesundheit im Neuen Jahr und verspreche, dieses Jahr mehr zu posten.


Versprochen!

Mittwoch, 17. Februar 2016

Jahresrückblick 2015

Das Jahr 2015 war für uns  eher Ereignisarm, daher auch nicht allzu viele Blogeinträge. Nach der Hochsaison zum Jahresanfang mit vielen Gästen im Restaurant, wie auch im Hotel und am Pool, gönnten wir uns ein paar Tage Auszeit, während denen wir einen Ausflug zu den Nevados del Cocuy unternahmen. ( Siehe entsprechenden Blogeintrag ) Auch machten wir einige Ausflüge in der nähern Umgebung, um das touristische Potenzial abzuschätzen.

Emilce am Wasserfall 

Nach den turbulenten Osterfeiertagen kam im Mai mein Sohn Peter zu Besuch und wir machten Ausflüge in der Umgebung, aber auch bis nach Cartagena und Santa Marta an der Karibikküste. ( Siehe entsprechenden Blogeintrag )

Peter und seine Freundin Martica
 
Ende Juni bin ich in die Schweiz geflogen, um meine Familienangehörigen zu besuchen und um eine temporäre Arbeit zu finden. Ich habe während 4 Monaten bei der Firma Hess in Bellach gearbeitet und habe bei meinen Eltern in Günsberg gewohnt. Währenddessen hat Emilce die Finca gehütet, etwa 1000 Kaffeestauden pflanzen lassen, aber auch Maniok ( Yuca ) und Bananen.
Im August schliesslich hat ein Blitzeinschlag sämtliche Fernsehgeräte, Satelitendecoder, aber auch viele Beleuchtungskörper und selbst Kabel zerstört. Mussten alle Geräte für mehrere tausend Franken ersetzen.


Emilce und meine Mutter
Anfangs November ist auch Emilce in die Schweiz gereist und wir haben viel Zeit zu Hause mit meinen betagten Eltern verbracht, haben Familie und Freunde besucht und waren auch in Deutschland zu Besuch Familienangehöriger Emilces. Bei prächtigem Novemberwetter waren wir auch noch einige Tage in den Termen von Ovronnaz.
Schloss Chillon

Anfangs Dezember sind wir nach Kolumbien zurückgekehrt um von der Ferienzeit zu Jahresende zu profitieren. Leider liessen uns einige Angestellte im Stich, was uns Übriggebliebenen ein paar arbeitsintensive, stressige Wochen bescherte.

Grossandrang im Dezember
 
Das neue Jahr wird sicher etwas spannender. Wir haben einige neue Projekte in Angriff genommen und ich werde zu gegebener Zeit darüber bloggen.




Freitag, 12. Juni 2015

Besuch von Peter


Etwas aufgeregt fuhren Emilce und ich an den Flughafen von Bogotá um meinen Sohn Peter in Empfang zu nehmen. Das Flugzeug der Fluggesellschaft Iberia landete planmässig und über Whatsapp informierte uns Peter, dass Zoll und Immigration noch etwas Zeit in Anspruch nehmen werden. Mit vielen Andern warteten wir am Ausgang auf Angehörige und endlich konnten auch wir Peter begrüssen.
Bienvenidos a Colombia!
 

Nach einer innigen Umarmung suchten wir ein Taxi, das uns an die 170 Strasse zur Wohnung von Emilces Töchter bringt. Auf der Fahrt gibt es natürlich viel zu berichten und auch zu zeigen. Unser Aufenthalt währt nur kurz, da wir am nächsten Tag eine Zusammenkunft des Tourismusvereins haben und darum zurück auf die Finca müssen. Peter ist zwar hundemüde, aber auf der gut vierstündigen Fahrt kann er trotzdem nicht schlafen, wie schon vorher auf seiner 14-stüdigen Flugreise. Gegen Mitternacht kommen wir nach Vado Real und nach einem Bier gehen wir endlich schlafen.

 In den Hochanden um Gambita

Tags darauf lassen wir Peter ausschlafen und wir widmen uns der erwähnten Sitzung. Später gibt es ein traditionelles kolumbianisches Frühstück mit Fleischsuppe, Spiegeleiern und Maisfladen, dazu Tinto, dem süssen, wässrigen Kaffee. Peter ist nicht allzu Begeistert von diesem Mahl.
Anschliessend machen wir einen Rundgang durch die Finca, zeigen ihm unsere Tiere, die Fische und die Pflanzungen und gehen im Pool schwimmen.
Abends gewittert es, wie halt üblich in der Regenzeit und mangels Breitbandinternet muss auch Peter mit uns amerikanische Spielfilme fernsehen. So gehen wir wie üblich um 22 Uhr schlafen.

 Canon de Chicamocha

Die nächsten Tage verbringen wir auf der Finca oder mit Tagesausflügen in der Umgebung. Ich muss mich auch immer wieder kleineren Arbeiten widmen und so verbringt Peter seine Zeit mit Chaten (dazu reicht das mobile Internet :-) oder mit Schwimmen oder Lesen. Wochenende heisst immer auch im Restaurant mit Hand anlegen und so hilft Peter mir, unser erstes, verkauftes Fondue zuzubereiten.

 Rauschende Wasser 

Diese Woche fahren Peter und ich mit dem Bus an die Karibikküste. Bei heissen 30 Grad steigen wir in den klimatisierten Bus und schon bald beginnt es uns zufrösteln. Wissend um der Hitze der Küste haben wir keine warmen Sachen mitgenommen und so verbringen wir eine eisige Nacht frierend im Bus, eingepackt in Regenjacke und Badetuch!
Nach 16-stüdiger Fahrt im Tiefkühler kommen wir nach Cartagena de las Indias, der sogenannten Perle der Karibik. In der Tat ist Cartagena die wohl schönste Stadt Kolumbiens. Sie besitzt eine ausgedehnte Altstadt mit kolonialem Charme, rundum eingeschlossen von Festungsmauern, einen riesigem Fort auf einem kleinen Hügel und den mondänen Badestränden mit Wolkenkratzern wie in Miami. Wir verbringen 2 Tage mit Besichtigungen und geniessen die maritime Kost.

In der Altstadt von Cartagena

Aussicht von der Festung

Heute fahren wir weiter nach Santa Marta, einer andern Stadt an der Karibikküste. Santa Marta ist vor allem bekannt wegen dem nahe gelegenen Nationalpark Tairona und der Sierra Nevada de Santa Marta. Die Stadt selbst hat touristisch nicht allzu viel zu bieten, was sie aber gerade deshalb authentischer macht. Am nächsten Tag fahren wir mit dem Bus in den Taironapark. Der beliebte Nationalpark schützt das Küstenbergland, die Strände und das Meer. Wegen der Kokospalmen gesäumten Strandbuchten kommen auch viele Globetrotter hierher. Allerdings ist wegen starker Strömungen nur an wenigen Orten das baden erlaubt. Wir wandern bis zum Cabo San Juan de la Guia, wo wir baden und die nachfolgenden Strände erkunden. Abends beziehen wir unser Mietzelt, in dem wir bei warmen 25 Grad auch nachts ohne Decke schlafen können. Noch beliebter sind allerdings die Schlafplätze in der Hängematte.

 
Mietzelte am Cabo San Juan de la Guia

 
Karibischer Traumstraumstrand

Am nächsten Morgen gehen wir badend und wandernd zurück zum Parkeingang und nachfolgend mit dem Taxi nach Santa Marta. Nach einem gemeinsamen Mittagessen verabschiede ich mich vorerst einmal von meinem Sohn. Er wird eine 5-tägige geführte Tour zur indianischen Ruinenstadt Ciudad Perdida und zu den Kogui Indianern in der Sierra Nevada de Santa Marta machen, ich muss zurück, um über das verlängerte Wochenende im Restaurant zu helfen. 


Terrassen der Ciudad Perdida


Eine Woche später kommt Peter einmal mehr zu uns nach Vado Real. Er hat seine Tour mit einer Gruppe Franzosen gemacht. Sie mussten jeden Tag etwa 8 Stunden durch unwegsames Gelände von Camp zu Camp wandern, um schlussendlich die an einem Berghang gelegen, terrassierte Ruinensiedlung zu erreichen.

Nach ein paar Tagen ausruhen auf der Finca mache Peter und ich eine Ausflug ins koloniale Villa de Leyva, besuchen die Dinosaurierfossielien, ein Tal mit indianischen Felsmalereien und den Paso del Angel, einen atemberaubend schmalen Grat zwischen zwei Schluchten. Am nächsten Tag stehen wir früh auf, um eine anstrengende Wanderung zur Laguna de Iguaque zu machen. Nach einen steilen Aufstieg von fast 1000m erreiche wir den See im Paramo, umsäumt von Frailejones (Espeletien). Hier auf 3650m Höhe ist es neblig, kühl und nieselig und wir machen uns rasch wieder auf den Abstieg.


 Prekolombinische Felszeichnungen


   Restaurant an der Plaza von Villa de Leyva


 Laguna de Iguaque


Die letzten zwei Tage vor seiner Rückkehr in die Schweiz wollen wir in Bogotá verbringen. Wir übernachten bei den Töchtern von Emilce und fahren gemeinsam mit der Standseilbahn auf den Aussichtsberg Monserate, wo wir eine einmalige Sicht über das Häusermeer der Millionenmetropole bestaunen. Am Nachmittag machen Carolina, Peter und ich einen Besuch im Museum des kolumbianischen Künstlers Botero und des angegliederten Museums La Moneda, das nicht nur die Geschichte der Landeswährung zeigt.


 Auf dem Aussichtsberg Monserate


 Schmuck eines Schamanen im Goldmuseum 


Heute ist der letzte gemeinsame Tag und wir wollen noch das legendäre Goldmuseum besichtigen. Der gewaltige Bau zeigt eine schier endlose Sammlung an prekolumbinischer Goldschmiedekunst und anderer indianischer Artefakte. Nach dem Mittagessen mache wir uns mit dem Taxi auf den Weg zum Flughafen, wo wir unseren geliebten Gast aus der Schweiz verabschieden.